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Campixx 2023 als First-Timer – ein Recap von Louisa Kärger

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Webneo Blogbeitrag

WILLKOMMEN AUF DER CAMPIXX

Für mich ging es dieses Jahr das erste Mal auf eine Online-Marketing-Messe – genauer gesagt auf die Campixx. Gemeinsam mit meinen Kollegen Silvio und Sarah starteten wir am Donnerstag schon früh in Richtung Berlin. Im Gepäck hatte ich durchmischte Erwartungen und war gespannt, was auf mich zukommen würde. Im Gegensatz zu meinen Kollegen hatte ich ja keinen Vergleich zu den Vorjahren oder anderen OM-Messen und da ich in Zeiten von Corona aus dem Studium in die Arbeitswelt wechselte, kannte ich bisher nur Online-Webinare. Aber schon allein, um mal etwas anderes als den eigenen Arbeitsplatz zu sehen, war ich vorfreudig auf die Campixx 2023 gestimmt.

Webneo Blogbeitrag

Inhaltsübersicht

    • Start der Campixx mit Marco Janck & Keynote zur Barrierefreiheit
    • SEO-Taskmanagement – mehr Transparenz, bessere Prozesse und Kundenbindung – Nicolas Sacotte
    • E-E-A-T this: 500 % mehr non-paid branded traffic in 5 Min. – Jonas Weber, Michael Schwarz
    • Social Media Kommunikation ist wie Lieder schreiben – Florian Kneffel
    • SEO-Briefing im Website Relaunch – das Pflichtenheft – Sven Deutschländer
    • KI meets SEO: Liebe auf den ersten Blick – Daniel Schramm
    • Das Abendprogramm – ein Auf und Ab der Gefühle
    • Campixx Tag 2 – Hangover Spot oder Early Bird
    • SEO in schwerem wirtschaftlichem Fahrwasser – Florian Stelzner, Martin Witte, Tobias Schwarz, Stefan Vorwerk, Niels Dahnke
    • GA4 – mehr als eine Zwangsheirat – Bernadette Hohns
    • Keywords: Weiterhin SEO-Fokus oder künftig irrelevant? – Johannes Beus
    • SEO liebt E-Mail-Marketing: Strategien, Beispiele & Tools für die ideale Kombi – Valerie Khalifeh
    • SEO-Strategien finden und umsetzen – Johan von Hülsen
    • Mein Fazit zur Campixx 2023
KI meets SEO - Daniel Schramm

START DER CAMPIXX MIT MARCO JANCK & KEYNOTE ZUR BARRIEREFREIHEIT

Nachdem wir von der Autobahn abgefahren waren, ging es für uns direkt zur Location der Campixx 2023 – dem Van der Valk Hotel in Brandenburg. Doch bevor das Programm so richtig losging, mussten wir uns zunächst anmelden. Das ging erstaunlich schnell und unkompliziert, sodass wir uns – nachdem wir noch eine Goodiebag abgreifen konnten – schon im Raum der SEO-Mainstage eingefunden haben. Der war zu dem Zeitpunkt auch schon gut gefüllt.
Mit lauter Intromusik kam die Moderatorin Sandra Karner auf die Bühne und begrüßte alle Teilnehmer, gefolgt von Marco Janck, der nach seiner Begrüßung alles Organisatorische erklärte.

So startete die erste Keynote. Speakerin Saskia Bader, die ich tatsächlich schon aus einigen Online-Webinaren kannte, nahm uns mit in das Thema „Mit digitaler Barrierefreiheit den Erfolg eigener Websites steigern“. Dabei erzählte sie aus eigener Sicht, mit welchen Schwierigkeiten sie aufgrund ihrer Sehbehinderung im Internet oft konfrontiert ist und gab Tipps zur digitalen Barrierefreiheit. Wir haben gelernt, dass 9 % der deutschen Internetnutzer eine Behinderung haben und das Zugänglichmachen digitaler Angebote für beeinträchtigte Personen eine große Chance für den Erfolg einer Website bietet. Die Community beeinträchtigter Personen ist gut vernetzt und Websites, die barrierefrei sind, können ihren Traffic durch Empfehlungen der Betroffenen steigern.
Besonders eindrücklich fand ich, dass sie uns darauf hinwies, dass wir dabei nicht nur an Personen mit Behinderungen denken sollten, sondern auch an unser zukünftiges Ich. Denn niemand ist von Beeinträchtigungen im Alter befreit. Sei es das Verständnis für komplizierte Vorgänge, Seheinschränkungen und vieles mehr.
Problemlösungen wie Alt-Texte für Bilder und Icons; Pop-ups, die sich nicht nach wenigen Sekunden schließen; feststehender Zoom; starke Kontraste; größere Schrift und Alternativen für visuelle Captchas machen das Internet für eine größere Anzahl von Menschen zugänglicher, als man oft denkt und das sollte doch unser aller Ziel sein.

TASKMANAGEMENT – MEHR TRANSPARENZ, BESSERE PROZESSE UND KUNDENBINDUNG – NICOLAS SACOTTE

Nach Saskias inspirierendem Talk ging es für mich weiter zur ersten Session. Als WEBneo-Team-Campixx haben wir so gut wie möglich versucht, uns auf verschiedene Vorträge aufzuteilen, um so viel wie möglich neues Wissen abgreifen zu können.

Nicolas Sacotte von der Agentur Contentking gab uns Einblicke darüber, wie Kundenkommunikation in seiner Agentur umgesetzt wird. Nicolas und sein Team haben über Monate und mit hohem monetärem Einsatz ein eigenes übersichtliches Tool entwickelt, mit dem SEO-Tasks bei ihnen geplant, verwaltet und umgesetzt werden. Im Programm sehen Agentur und Kunden alle anstehenden Tasks sowie deren Status. Kunden können diese kommentieren und Fragen stellen und Mitarbeiter der Agentur direkt darauf antworten. Daten aus Tools wie Google Analytics und der Search Console werden über eine API ins System gezogen, so hat jeder zu jeder Zeit Zugriff darauf.
Das hörte sich für mich fast zu gut an, um wahr zu sein. Der Downer kam dann, als er uns sagte, dass das Programm nicht verkäuflich sei und er auch nicht plant, Lizenzen herauszugeben. Sein Tipp: Setzt euch mit euren Entwicklern zusammen und entwickelt selbst ein solches Tool …
Okay, also nicht umsetzbar für uns, dachte ich mir. Ein paar Learnings und Inspirationsanstöße konnte ich trotzdem mitnehmen:

  • Transparente Kommunikation auf allen Ebenen steht an erster Stelle
  • Echtzeit-Dokumentation von Tasks zur Verfügung stellen
  • Task-Status pflegen (beidseitig – sowohl Agentur als auch Kunden)
  • Echtzeit-Daten als Grundlage für Tasks zur Verfügung stellen
  • Echtzeit-Reportings zur Verfügung stellen
  • Wöchentliche/monatliche Calls/Meetings
  • Individuell abgestimmte Workshops mit Kunden
  • Erst wenn du deine Prozesse wirklich (er)kennst, kannst du mit der Optimierung der Einzeltasks beginnen
  • Wiederkehrende Tasks können automatisiert werden
SEO Taskmanagement - Nicolas Sacotte
E-E-A-T - non paid branded traffic - Jonas Weber

E-E-A-T THIS: 500 % MEHR NON-PAID BRANDED TRAFFIC IN 5 MIN. – JONAS WEBER, MICHAEL SCHWARZ

Nach einer kurzen Zwischenstärkung ging es direkt in das nächste Seminar. Da einige Räume relativ klein waren und sich schnell füllten, hieß es, zügig den nächsten Raum und einen Platz finden, sodass es in den Pausen oft hektisch wurde.

Dass die Welt des Online-Marketings ein sich ständig entwickelndes Feld ist, zeigte sich schon beim Namen der nächsten Session. Dieser musste nämlich kurzfristig von „E-A-T this“ zu „E-E-A-T this“ geändert werden, nachdem im Dezember 2022 der Faktor „Experience“ zu den ursprünglichen Google Qualitätsbewertungskriterien für Websites dazukam: Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness.
Jonas Weber und Michael Schwarz, zwei ehemalige Google Mitarbeiter, erklärten, wie man unbezahlt den branded traffic stärken könne.
Hier ihre Tipps:

  • Google misst Signale Domain-weit → nicht nur einzelne Seiten müssen stark sein, sondern die gesamte Seite. Ranking Faktoren: Content Relevanz (Nischenrelevanz), Content Qualität, Benutzersignale z. B. bounce back to SERPs, Page Rank, Trust Rank, Mentions, Verhältnis branded incoming traffic vs. generic traffic
  • Brand Anker sind notwendig: Keyword + Brand
  • Keyword Domains
  • Brand Search erhöhen
  • Kookkurrenz (ja, heißt tatsächlich so): Brand + Log-in; Brand + Gutscheine → denn meistens ranken Gutscheinportale für die eigene Brand dann auf Platz 1. Will man selbst ranken, muss man dem Nutzer das geben, was er möchte
  • Reputation Management: Brand + Erfahrungen
  • Brand Kampagnen und PMax Kampagnen schwächen generic brand search

Zentrales Thema war dabei auch „das neue Google“ – Google SGE (Search Generative Experience), von Michael, auch Generative AI Google genannt. Dabei handelt es sich um Googles neue Suche, welche in den USA schon getestet wird.

  • Hilfreich sind extreme Longtail-Keywords
  • Eigene Marke absichern → Brand Keywords stärken
  • Aus Tests in den USA kam raus, dass es zu mehr Branded Real Estate führt, also ein Vorteil für Marken
  • Produktdetailseiten sind extrem wichtig
  • Reviews (Qualität und Anzahl) sind wichtig
  • long tail needs
  • Rich Features/schema.org,
  • Produktfotos mit einfarbigem, weißem Hintergrund funktionieren am besten
  • Deals to stand out (Produkt höher preisen, dann Angebot daraus machen (ergo gleicher Preis wie vorher, aber Angebote ranken besser)
  • International Targeting (hreflang) funktioniert noch nicht bei SGE
  • SGE benötigt bisher ca. 10 Sekunden, um zu laden, Nutzer klicken schon viel früher auf Ergebnisse und sehen die SGE-Ergebnisse gar nicht → derzeit also noch nicht relevant
Außenbereich 1
Social Media Kommunikation - Florian Kneffel

SOCIAL MEDIA KOMMUNIKATION IST WIE LIEDER SCHREIBEN – FLORIAN KNEFFEL

Die nächste Session, zu der es mich gezogen hat, beschäftigte sich mit dem Thema Social Media, genauer gesagt, mit der Content-Erstellung für Social Media.

Dieses Thema war besonders für mich interessant, da ich mich derzeit mehr und mehr in das Thema Social-Media-Marketing einarbeite und hoffe, dass wir dafür bei WEBneo auch noch ein paar mehr Kunden gewinnen können.
Florian Kneffel hat einen Social Media Feed mit einem Schallplatten-Store verglichen. Jede Schallplatte steht für einen Post. Sie enthält ein Cover (= Bildpost), einen Titel (= Caption) und den Künstlernamen (= Marke). Auf der Suche nach einer Platte „scrollt“ man durch alle Platten in einer Kiste hindurch und entscheidet im Bruchteil einer Sekunde, ob einen die Platte persönlich anspricht und man sich näher mit ihr beschäftigen möchte. Gründe dafür können sein, dass einen das Cover visuell anspricht oder man den Künstler kennt. So läuft es auch auf Social Media. Die meisten Nutzer folgen zwischen 700 und 900 Accounts – viel zu viel, um sich mit jedem einzelnen Post genauer zu beschäftigen. Sie müssen daher radikal filtern und swipen weiter, wenn sie etwas nicht anspricht und es für sie uninteressant ist. Marken haben daher etwa 0,2 Sekunden, um die Aufmerksamkeit eines Users zu gewinnen.
Florians Tipps dafür waren folgende:

  • Nutzer sind immer im Freizeit-Kontext auf der Plattform → wollen keine Werbung sehen
    → macht keine Werbung, schafft Inhalte!
  • Mehrwert: Warum sollte jemand meinen Content sehen wollen/nutzen
  • Emotionen auslösen: thematisch und visuell, nicht langweilig und austauschbar sein
  • Identifikation: Richtige Zielgruppe erreichen, auch wenn diese klein ist
    → Interaktion ist wichtiger als Followerzahl
  • Früher konnte man Behauptungen aufstellen und damit werben, heute muss man den Nutzern beweisen, dass Behauptungen stimmen (alles ist nachprüfbar, bspw. über Rezensionen)
  • Richtiges Verhältnis zwischen Brand Centric und Consumer Centric: – Brand Centric: Selbstbild, Produktinfo, Produktthemen, Image, ESPs (Emotional selling point) – Consumer Centric: Was beschäftigt die Zielgruppe, Interessen & Hobbys, Lifestyle, Haltungen & Meinungen, was spricht sich herum
  • Basis für alle Strategien muss die Zielgruppenanalyse sein (so genau wie möglich); wichtig, wie kommunizieren sie, welche Erwartungen haben sie
    → Sinus-Milieus
  • Wie nutzen User die Plattform → Visualität, Tonalität (Kanal, Zielgruppe und User geben vor, wie kommuniziert wird)
  • Denkt wie ein Marketer, agiert wie ein Creator!
    → Brands und ganz normale User sind auf Plattformen gleichberechtigt
    → man muss sich der Plattform und ihren Nutzern anpassen
  • Storytelling-Formen: Heldenreise, Tellerwäscher → Millionär, Komödie, Aufgabe, Suche, Reise, Überwindung des Monsters
    → Grundrahmen schaffen, um Botschaften in einer „Geschichte“ zu verpacken
  • Werbung darf sich nicht wie Werbung anfühlen
  • User Centric gibt Möglichkeit, die Botschaften des Unternehmens in die Lebensrealität der Zielgruppe zu transportieren
    à Marketer entscheiden Botschaft; Zielgruppe entscheidet Art der Kommunikation
  • Lieber nicht auf alle Plattformen breit streuen, auf die konzentrieren, die funktionieren
  • Wie viele Hashtags am besten funktionieren, kann man nur testen

Nach dieser Session war es schon Zeit für Mittagspause. Wer eine ausführliche Review zum Mittagessen haben möchte, sollte sich den Recap von Silvio durchlesen. Aber erst, wenn ihr hier durch seid ?

Essen
Google auf Laptop

SEO-BRIEFING IM WEBSITE RELAUNCH – DAS PFLICHTENHEFT – SVEN DEUTSCHLÄNDER

Gestärkt ging es dann zu den letzten beiden Sessions für den ersten Tag. Sven Deutschländer von dskom hat es dabei geschafft, uns mit seinem Vortrag aus der Mittagsruhe zu schütteln und die Schläfrigkeit erst gar nicht einsetzen zu lassen. Er hat hoch motiviert und energisch gesprochen sowie die Zuhörer sofort abgeholt – und das, obwohl ich als Mitarbeiterin einer Agentur zunächst dachte, dass das Seminar gar nicht unbedingt relevant für uns sein würde.
Im Grunde hat er uns sein, wie er selbst sagte, „nerdig-detailliertes“ Briefing für Agenturen, die den Website-Relaunch eines Kunden durchführen sollen, erklärt. Dabei konnte er sowohl aus Agentursicht, als auch aus Kundensicht berichten. Das Fazit für mich: Nichts ist selbstverständlich! Vorstellungen und Ziele sollten genauestens kommuniziert werden, damit am Ende alle Erwartungen erfüllt werden.

KI MEETS SEO: LIEBE AUF DEN ERSTEN BLICK – DANIEL SCHRAMM

Die letzte Session befasste sich mit dem wohl prominentesten Thema der ganzen Campixx: KI und AI. Wir als SEOs kommen derzeit definitiv nicht drumherum, uns mit KIs, vor allem ChatGPT, zu beschäftigen. Oft kommt dann die Frage auf, auch bei uns selbst, ob es uns denn überhaupt noch braucht. Daniel hat seine Session passenderweise direkt mit dem Satz „A fool with a tool is still a fool“ begonnen. Ergo: Du kannst ein noch so gutes Tool haben, wenn du nicht weißt, wie du damit umgehen musst, dann wirst du keine guten Ergebnisse erzielen. Um direkt mit einem weiteren Zitat von Daniel anzuknüpfen: „Shit in, Shit out“. Gibst du Sch**** ein, wird auch nur Sch**** herauskommen.
Getreu dieser Mottos hat uns Daniel ein paar nützliche Tipps mit an die Hand gegeben:

  • Alles überprüfen!!!
  • Vorher bewusst machen, was man erzielen möchte
  • Der KI ein Beispiel mitgeben, um ihr zu verdeutlichen, was man sich vorstellt
  • Nutzen für Inspiration und Themenfindung
  • Für Keywordrecherche derzeit nicht geeignet
  • Cluster bilden (bspw.: Wir haben diese Keywords mit folgenden Suchvolumina recherchiert, bitte clustere mir diese in sinnvolle Kategorien/Themen; welches Cluster hat das meiste Suchvolumen)
  • Daten aus Search Console mit ChatGPT clustern lassen
  • Prompts in Blöcke aufteilen: als erstes Outline für den Text erstellen lassen → dann kann man eingreifen, einzelne Unterpunkte streichen lassen oder Themen ergänzen – Punkte nacheinander schreiben lassen – nachoptimieren: folgende Keywords sollen noch/häufiger untergebracht werden
  • Metadaten erstellen lassen (erst Metadaten erstellen lassen, dann Outline, dann Text) funktioniert zuverlässiger als umgekehrt
  • Anschreiben für Link-, Gastartikel-Anfragen, Follow-up-Mails generieren lassen
  • Chrome Add-ons schreiben lassen

Die für uns erstaunliche Erkenntnis hier: Von ChatGPT generierte Texte sind sehr erfolgreich. Sie ranken meist schon nach kurzer Zeit sehr gut und sind sehr effizient in der Erstellung. ABER ums Kontrollieren und Nachrecherchieren kommt man trotzdem nicht drumherum!

Wer wird SEOnär

DAS ABENDPROGRAMM – EIN AUF UND AB DER GEFÜHLE

Mit diesem spannenden und witzigen Thema ging der offizielle Teil des ersten Campixx-Tages für uns zu Ende. Der Abend sollte aber noch einiges für uns bereithalten. Angefangen bei „The Clash“ – für alle ein neuer Programmpunkt und niemand wusste so richtig, was uns erwarten würde. Der Mainroom wurde kurzerhand umgebaut. An jeder Seite des Raumes befand sich eine Bühne und die Stühle dazwischen wurden auf zwei Seiten gegenübergestellt. Wohin wir uns setzen sollten, wussten wir nicht, sodass wir einfach erst mal Platz nahmen und abwarteten. Was dann folgte, war ein sehr verwirrender Schlagabtausch zwischen Team SEO und Team Content und einige Aktionen zum Fremdschämen. Wenn mir jemand am Morgen gesagt hätte, dass ich am Abend noch Erwachsene Menschen dabei beobachte, wie sie, mit Cowboyhüten bekleidet, auf Steckpferden reitend durch den Raum rennen, Eierlaufen und Sackhüpfen spielen, ich hätte es mir beim besten Willen nicht vorstellen können. Dementsprechend haben wir das Spektakel recht früh verlassen.

Für Verpflegung sorgten drei Foodtrucks, an denen sich schon lange Schlangen tummelten. Scheinbar waren wir also nicht die Einzigen, die sich zum Essen flüchteten. Die vegetarische Auswahl hielt sich, ähnlich wie beim Mittag, in Grenzen. Aber mit Pasta und Tomatensoße kann man nie was falsch machen. ? Beim Essen unterhielten wir uns mit unseren Sitznachbarn über das Thema KI – es ließ uns also selbst nach dem offiziellen Programm keine Ruhe.
Als Abendprogramm wurde mir „Wer wird SEOnär?“ ans Herz gelegt. Dass das Format aber nicht viel mit seinem bekannten Vorbild und auch nicht mehr viel mit dem zu tun hatte, was es mal war (laut Berichten meiner Kollegen), stellte ich schnell fest. Viele Worte möchte ich dazu gar nicht verlieren, da wir auch hier relativ zeitnah geflüchtet sind, aber als Person, die Alkohol grundsätzlich ablehnt, fand ich es ziemlich schockierend zu sehen, wie das Thema am Abend der Campixx glorifiziert wurde. Ja, ein wenig Konsum ist nicht schlimm und kann zu einer heiteren Stimmung beitragen, aber ein Likörhersteller, der kostenlos Alkohol in Übermaßen an die Teilnehmer verteilt, als Sponsor einer Online-Marketing-Messe … ziemlich fragwürdig für mich.

CAMPIXX TAG 2 – HANGOVER SPOT ODER EARLY BIRD

Dass wir nach diesem Abend am nächsten Morgen nicht ganz so munter bei der Campixx aufschlugen, ist wohl selbsterklärend. Im Gegensatz zu vielen Teilnehmern lag es bei uns aber nicht am Hangover, sondern, weil die Gespräche uns dann doch länger auf der Messe hielten, als gedacht. Den ersten Speaker wollten wir uns allerdings nicht entgehen lassen.
Axel Schulz – ehemaliger Profiboxer der DDR, Vize-Europameister und inzwischen Unternehmer – war zu Gast und erzählte Anekdoten seiner Kämpfe und wie er Grillsaucen auf den Markt brachte. Das Ganze extrem bodenständig und lustig. Besondere Erkenntnisse für das Online-Marketing konnte ich persönlich aber nicht gewinnen. Nach seinem Talk stand er noch für Fotos und Autogramme zur Verfügung. Das habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Alles in allem ein sehr sympathischer Typ und genau der richtige Talk, um in den zweiten Tag der Campixx zu starten. Es muss ja auch nicht immer alles Mehrwert bieten.

Auf der Mainstage ging es dann direkt mit der nächsten Talkrunde weiter:

Foto mit Axel Schulz
Campixx Logo

SEO IN SCHWEREM WIRTSCHAFTLICHEM FAHRWASSER – FLORIAN STELZNER, MARTIN WITTE, TOBIAS SCHWARZ, STEFAN VORWERK, NIELS DAHNKE

Fünf langjährige Experten aus Inhouse-, Agentur- und Freelance-SEOs unterhielten sich über die Herausforderungen ihres Jobs während Corona, Krieg in Europa und Rezession. Dabei konnten wir feststellen, dass es uns grundsätzlich allen gleich ging, auch wenn manche Branchen stärker gelitten haben als andere und manch einer sogar als Gewinner hervorgegangen ist. Einig waren sich aber alle, dass die besonderen Situationen der letzten Jahre, auch Chancen für unsere Branche geboten haben. Besonders während des Lockdowns und der Kurzarbeit konnte Zeit gefunden werden, tiefer oder anders über Themen nachzudenken. Außerdem haben wir festgestellt, dass Menschen unterschiedlich arbeiten. Manch einer ist produktiver und kreativer zu Hause, manch einer ist es eher im Team. Corona hat auf jeden Fall gezeigt, dass beides möglich ist und beides gefördert werden sollte.
Fazit: Negativ war: Komfortzone verlassen müssen, Marketing ist schwierig in Zeiten der Rezession, überfordernde Zeiten; Positiv war: Veränderung ist gut, Weiterentwicklung, SEO ist nicht tot, man wächst an seinen Herausforderungen, neue Perspektiven, mehr Effizienz

GA4 – MEHR ALS EINE ZWANGSHEIRAT – BERNADETTE HOHNS

Von einem lockeren Talk hin zu einem weniger spaßigen Thema:
Google Analytics 4 begleitet uns SEOs nun schon eine ganze Weile und wir haben wohl alle festgestellt, dass es ein eher nerviges Thema ist. Wir kommen aber nicht daran vorbei und so schien es sinnvoll für mich, mir die Session von Digital-Analystin Bernadette Hohns anzuhören.

Alles neu bei GA4 – neues Datenmodell, neue Berechnungsmethoden, neue Berichte und neue Perspektiven – da ist man schnell überfordert. Da wir uns im Team schon die ein oder andere Schulung zu GA4 angeschaut haben, konnten wir hier nicht mehr viel Neues erfahren. Allerdings hat Bernadette es durch ihre lockere und begeisternde Art geschafft, uns das Tool noch mal etwas näherzubringen:

  • Wie funktioniert es: Nutzeraktivitäten auf der Website, über Datenstreams, Messung mit Ereignissen
  • Datenlücken füllen mit Machine Learning
  • Alles personalisierbar mit eigenen Ereignissen und Berichten
  • Google Tag Manager nutzen
  • E-Commerce: strikte Vorgaben einhalten, unterschiedliche Einrichtung je nach Shopsystem, Plug-ins nutzen
  • In der Bibliothek können alle Berichte angepasst und neue Berichte angelegt werden (Änderungen sehen alle Nutzer, die Zugriff auf die Property haben)
  • Bericht zur Nutzergewinnung ist eigentlich unbrauchbar
  • Empfehlung: Interaktionsrate, nicht Absprungrate (Bouncerate)
    → Interaktionsrate bezieht sich auf Sitzungen, nicht Nutzer
  • Channel-Auswertung – Empfehlung: Sitzung – Standard-Channel-Gruppe (im Bereich Besucherquelle) nutzen
  • Search Console verbinden

Die nächste Session würde ich tatsächlich hier nicht weiter ausführen, denn hier konnte ich keinen Nutzen für mich oder unser Team herausziehen, dennoch war es ein interessanter Talk mit einem tollen Speaker: Authentisches Marketing aus der Sicht eines Corporate Influencers – Jürgen Schmitt

GA4 - Bernadette Hohns
Keywords SEO-Fokus - Johannes Beus

KEYWORDS: WEITERHIN SEO-FOKUS ODER KÜNFTIG IRRELEVANT? – JOHANNES BEUS

Umso gespannter war ich aber auf den Talk von Johannes Beus, dem Gründer und Geschäftsführer von Sistrix. In seiner Session zeigte er uns verschiedene statistische Auswertungen zu Nutzerinteraktionen in Bezug auf Keyword-Suchvolumen, SERP-Layouts, Suchintent, Klickpreise & Klickraten. Das war super interessant. Seiner Einschätzung nach hat Google kein Interesse daran, organische Ergebnisse zu zeigen und mit den unterschiedlichen SERP-Elementen und Google SGE werden organische Klicks vermutlich immer weiter sinken. Entwarnung konnte er aber insofern geben, als immer noch 64,71 % aller mobilen Suchen auf einen organischen Treffer klicken.

  • 15 % aller Internetsuchen werden an dem Tag zum ersten Mal gesucht
  • Die eigentlich relevanten Keywords sind Longtail-Keywords, aber die am häufig gesuchtesten Keywords (fat head) erzielen natürlich den größten Traffic
    → Suchvolumen ist weiterhin die wichtigste Metrik zur Keyword-Bewertung
  • Insgesamt 44 unterschiedliche SERP-Elemente (ausgenommen organische Treffer), bspw.: häufig gestellte Fragen, Diagramme, Podcasts, Übersetzungsspiele, Featured Snippets …
    → die häufigsten SERP-Layouts sind aber immer noch organische Ergebnisse
  • Klickraten: 26,2 % klicken auf den ersten Treffer (bei Desktop aber 35 %); 64,71 % aller mobilen Suchen klicken auf einen organischen Treffer
  • Trend geht insgesamt weg vom Desktop hin zu mobilen Suchen
  • Zukunft wahrscheinlich noch geringere Klickrate, wegen neuer SERP-Layouts von Google
  • Zeigt Google Shopping-Ergebnisse, klickt kaum noch jemand auf organische Ergebnisse
    → auch bei anderen SERP-Elementen ist das der Fall, auch wenn oben Anzeigen ausgespielt werden
  • Bei Kombinationen aus Featured Snippets sind Nutzer komplett verwirrt, wo sie klicken sollen
    → Google SGE wird organische Klicks weiter senken
  • Google hat kein Interesse, organische Ergebnisse zu zeigen

SEO LIEBT E-MAIL-MARKETING: STRATEGIEN, BEISPIELE & TOOLS FÜR DIE IDEALE KOMBI – VALERIE KHALIFEH

Das Thema hätte sehr spannend werden können, allerdings bin ich wahrscheinlich mit den falschen Erwartungen herangegangen. Es ging am Ende auch viel um Tools, die man nutzen kann, um Lead-Magneten auf Websites zu erstellen. Ein paar interessante Learnings konnte ich trotzdem herausziehen:

  • Lead Magneten auf Website setzen, um Nutzer für Newsletter-Abo zu akquirieren (funktionieren besser als einfache „Hier eintragen, um Newsletter zu abonnieren“ – sind interaktiver oder Nutzer kann vorher Mehrwert abgreifen): E-Book, Case Study, Checkliste, Webinare, Newsletter, Quiz & Test
  • E-Mails sollten enthalten:
    – keine Werbung, Content für Vertrauen & Mehrwert, Verblüffen, persönliche Bindung, zur Interaktion animieren
    – Content für Mehrwert & Vertrauen: Allgemeine Vorteile des Themas, häufige Vorurteile & Mythen, Wünsche der Zielgruppe, Bedenken der Zielgruppe …
  • Plain Text E-Mails sind tatsächlich ziemlich erfolgreich, weil sie so aussehen, als hätte ein normaler Mensch sie einem direkt geschrieben (Absender als Person, nicht als Unternehmen)
  • Für E-Mail-Marketing gilt: Content is not king, the title of your content is king.
  • „Führt dein Content deine Lesenden auf eine Reise oder stopft er sie nur als Leads in eine Pipeline“
  • Kopplung von Lead Magnet und follow-up-E-Mail → legal mit Checkbox „Ja, ich bin einverstanden, Newsletter zu erhalten“
E-Mail-Marketing - Valerie Khalifeh
SEO-Strategien - Johan von Hülsen

SEO-STRATEGIEN FINDEN UND UMSETZEN – JOHAN VON HÜLSEN

Damit war der zweite Campixx Tag auch schon fast zu Ende und für mich begann das letzte Seminar. Johan hat eine sehr interaktive Session gehalten, ohne Folien und mit vielen Fragen ans Publikum. Schnell kam hier auch die Diskussion auf, ob die besprochenen Strategien nicht viel mehr Taktiken und Maßnahmen sind. Ergebnis: Es ist eine Frage der Definition ? Je kleinteiliger man wird, desto mehr kann man von einzelnen Maßnahmen einer darüberstehenden Strategie sprechen. Alle Maßnahmen sollten eben im Rahmen der Strategie formuliert werden und das Ziel unterstützen.

  • Zielformulierung nicht SMART, sondern lieber bspw.: „Wenn jemand das und das möchte, dann sollen sie auf unsere Seite kommen.“
  • Schauen, wie die SERPs aussehen bei Fokuskeywords (bspw.: viele Bilder → dann sollten Bilder Teil der Strategie werden)
  • Anschauen, wie die SERPs der Branche in den USA aussehen, denn so wird es irgendwann auch bei uns aussehen
  • Google Trends anschauen
  • Welche Fragen stellen die Kunden über Kontaktformulare?
  • Wenn Wettbewerber auf Shorttail-Keywords gehen, ist es sinnvoll, auf Longtail zu gehen

MEIN FAZIT ZUR CAMPIXX 2023

So ging meine erste Campixx zu Ende. Abschließend kann ich sagen, dass ich sehr viele neue Denkanstöße und sehr viel neues Wissen mitnehmen konnte. Die Messe selbst, alle Teilnehmer und Speaker haben mich positiv überrascht. Von Messen war ich bisher immer ein sehr nüchternes (pun intended) und geschäftliches Umfeld gewohnt, doch bei der Campixx kam fast schon ein Klassentreffen-Feeling auf. Es war schön zu sehen, wie sich Bekannte und Freunde wiedertrafen oder neue Bekanntschaften entstanden. Jeder ging freundlich und locker miteinander um und dennoch ging der Wissenstransfer und das Überthema „Online-Marketing“ in den Gesprächen nicht verloren.
Bis auf ein paar Dinge, die meiner Meinung nach umorganisiert werden sollten, Stichwort: The Clash, Wer wird SEOnär? und Essensversorgung, kann ich die Campixx sehr empfehlen und komme gerne nächstes Jahr wieder.

Keynote Axel Schulz

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