Google AMP - Was ist das und wie funktioniert das? Einfach erklärt!

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der mobilen Internetzugriffe ein enormes Wachstum hingelegt. Im Oktober 2016 wurden erstmals Mobilgeräte häufiger zum Surfen eingesetzt, als klassische Computer. Längst sollte bekannt sein, dass man hier nicht mehr nur von einem Trend sprechen kann, sondern dass sich diese Entwicklung gefestigt hat. Dank immer schneller werdender Datenverbindungen und den entsprechenden Endgeräten kann man von überall und zu jederzeit auf das Internet zugreifen. Dieses veränderte Surfverhalten brachte auch neue Herausforderungen für Seitenbetreiber und uns als Online Marketing Agentur - Webseiten müssen Mobil Friendly gestaltet werden.

Ein wichtiger Punkt hierbei ist die Optimierung der Ladezeit. Laut einer Studie sollte eine mobile Webseite innerhalb von 3 Sekunden geladen sein. Je länger die Ladezeit dauert, desto wahrscheinlicher ist es, dass der User die Seite wieder verlässt.
Mit der Ankündigung im Oktober 2016 seitens Google, einen mobilen und einen Desktop-Index zu etablieren, wobei der mobile Index der primäre sein werde, verdeutlichte der Suchmaschinengigant noch einmal, welche Bedeutung das Thema Mobil zukünftig einnehmen wird.

  1. Was ist AMP?
  2. So funktionieren AMP
  3. Vorteile von AMP
  4. Welche Einschränkungen bringt AMP mit sich?

Was ist AMP?

Mit Accelerated Mobile Pages (kurz AMP) wurde bereits im Jahr 2015 von Google und einigen anderen großen Content-Publishern und Technologie-Unternehmen (bspw. Adobe und WordPress)  ein neuer Standard für sofort ladende, mobile Webseiten geschaffen. Es handelt sich dabei um eine Open-Source-Initiative, mit dem Ziel die Ladezeit von Inhalten auf mobilen Geräten merklich zu verkürzen – Unter ampproject.org stellt Google weitere Informationen über das AMP Project zur Verfügung.

Antwort auf die Frage „Was stört dich am meisten beim Browsen auf mobilen Endgeräten?“ aus einer Umfrage von Google aus 2015. Quelle: https://webmasters.googleblog.com/2015/04/mobilemadness-campaign-to-help-you-go.html

Vergleichen kann man die AMPs mit Facebook Instant Articles, allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Bei Googles AMP verbleiben Traffic, Werbeeinnahmen und Kontrolle beim Publisher und seine Webseiten verzeichnen einen SEO Impact. Bei Facebook spielt sich alles im geschlossenen System der Social Media-Plattform ab. 30 Prozent der Werbeeinnahmen fließen hier an den Anbieter und es ergeben sich keine Traffic- und SEO-Vorteile für den eigenen Internetauftritt.

In erster Linie nutzen große Publisher wie FAZ, Zeit online, tagesschau.de oder The Guardian AMPs. Mit Hilfe entsprechender Plugins können aber auch WordPress, Typo3, Magento oder Shopware-Seiten entsprechend angepasst werden.

So funktionieren AMP

Um AMP nutzen zu können, müssen Publisher & Webseitenbetreiber eine alternative Version Ihrer Webseite erstellen. Dabei kommt ein sehr schlanker HTML-Code und ein stark limitiertes CSS (dürfen eine Größe von 50 kB nicht überschreiten und müssen ins HTML implementiert werden) zum Einsatz. Außerdem basieren Accelerated Mobile Pages auf asynchronem JavaScript - damit können Inhalte sofort geladen werden, ohne dass externe Skripte das Laden blockieren. Sollen trotzdem Werbung oder Codes von Drittanbietern eingebunden werden, so geschieht dies über iframes. Diese werden dann erst nach dem Aufbau der Inhalte geladen.

Wenn Google eine AMP-Seite erkennt, wird diese auf einem Proxyserver im Content Delivery Network (CDN) gespeichert. Inhalte können so weltweit schnell zur Verfügung gestellt werden, da die erforderlichen Dokumente für den Seitenaufbau aus nur einer Quelle geladen werden. Ein weiterer Vorteil der CDN: es wird direkt bei Abruf der AMP-Seite geprüft, ob diese funktioniert und die Anforderungen erfüllt. Somit wird garantiert, dass AMP-Seiten zuverlässig funktionieren.
Stellt einer User nun eine Suchanfrage die zu der gespeicherten AMP-Seite passt, zeigt Google diese in den mobilen SERPs an. Sie werden dabei mit „AMP“ und einem „Blitz“ gekennzeichnet.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass die Technik hinter AMP auf drei Komponenten basiert:

  • AMP HTML
  • AMP JavaScript
  • AMP Cache

Das nachfolgende Diagramm und die Erklärung aus dem Whiteboard Friday von Will Critchlow verdeutlichen den Prozess noch einmal:

Durch den komprimierten Aufbau von AMP-Seiten baut sich das Grundgerüst der Seite schon im Hintergrund auf, bevor ein Artikel angeklickt wurde. So erscheinen essenzielle Elemente des Artikels sofort nach Klick - Bilder, Werbebanner, Videos und weitere Inhalte werden dann nach einem Aufruf der Google-AMP-Seite nachgeladen. Zusätzlich werden Javascript- und HTML-Inhalte komprimiert und Bilder direkt auf die Displaygröße des mobilen Geräts angepasst. Hierdurch wird Datenvolumen gespart, gleichzeitig lassen sich die entsprechenden News viel schneller aufrufen.

Vorteile von AMP

  • Der größte Vorteil von AMP ist eindeutig die hohe Ladegeschwindigkeit, die selbst über schwache Breitbandverbindungen (2G oder 3G) gewährleistet ist. In der Entwicklung dauerte der AMP-Aufruf in der Regel unter einer Sekunde. Im Vergleich dazu erscheint eine "klassische" Meldung in einer bis zwölf Sekunden. Die User verbringen also weniger Zeit mit Warten, wenn sie AMP-Meldungen aufrufen. Durch die optimierte Ladegeschwindigkeit verbessert sich also auch die User Experience (geringere Absprungrate). Da nicht nur die Ladezeit, sondern auch User Signale ein Rankingfaktor sind, kann der Seitenbetreiber hier also 2 SEO-Kriterien mit einmal verbessern.
  • ein weiterer Vorteil ist die Darstellung von AMP-Seiten in den SERPs. Das auffällige Blitzsymbol sorgt bei Usern für eine erhöhte Aufmerksamkeit und kann somit die Klickwahrscheinlichkeit erhöhen. Indirekt kann also auch damit der Faktor User Signale wieder verbessert werden.
  • ein dritter Vorteil ist das Listing im "Top Story Karusell" - besonders für Newsgetriebene Seiten kann dieser Vorteil sehr spannend sein und entsprechenden Traffic auf die Seite schaufeln.
  • ein weiterer Vorteil, der sich für die User ergibt - reduzierte Seiten verbrauchen weniger Datenvolumen

Welche Einschränkungen bringt AMP mit sich?

Auf einen ersten Kritikpunkt hat Google bereits im Februar 2017 reagiert - durch die Auslieferung der Inhalte über Google Server wurde die eigentliche URL in eine Google-AMP-URL umgewandelt. Der Traffic landete also nicht zwangsweise beim Publisher selber. Durch die Anpassung im Februar 2017 zeigt Google nun in einem separaten Feld die originale URL Website an.

Grundsätzlichere "Probleme" ergeben sich schon aus dem Konzept des verschlankten HTMLs mit dem limitierten CSS. Dadurch werden die Gestaltungsmöglichkeiten der AMP-Seiten stark eingeschränkt; ein individuelles Design, das seinen Seitenbetreiber vom Wettbewerber unterscheidet, ist so kaum mehr möglich.

  • Durch das schlanke HTML-Grundgerüst und den spärlichen Einsatz von CSS ist das Layout minimalistisch
  • JavaScript kann nur in Form von speziellen AMP-Tags eingefügt werden, die asynchron geladen werden, damit sie nicht das Rendering der Seite blockieren.
  • Werbung wird zwar zugelassen, jedoch nicht für jeden Anbieter. Anfangs lag der Schwerpunkt vor allem auf den Google AdSense-Programmen.
  • bestimmte Funktionen, z.B. Kommentarfelder, Teilen-Buttons, Einkaufswagen, etc. entfallen

Allerdings entwickelt sich auch die Darstellung der AMP stetig weiter. Waren Kontaktformulare anfangs nicht möglich, werden sie mittlerweile eingebunden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Funktionen für AMPs insbesondere außerhalb des News-Ressorts (z.B. im E-Commerce) auswirken.

In unserem zweiten Teil zum Thema AMP widmen wir uns der Einrichtung. Als professionelle SEO Agentur  zeigen wir Ihnen für welche CMS es welche Plugins gibt und worauf Sie bei der Einrichtung achten müssen!

Über den Autor: 

Ronny Stöck ist seit September 2017 als Senior Online Marketing Spezialist Teil des WEBneo-Teams. Dabei berät er kleine und mittlere Unternehmen in allen Belangen des Online Marketings. Neben seinen Kundenprojekten beschäftigt sich Ronny auch gerne mit den neuesten Trends und gibt seine Erkenntnisse an seine Kunden weiter.