Bessere Google Rankings durch HTTPS-Verschlüsselung?

Google Ranking HTTPS

© Giovanni Cancemi - Fotolia.com

Wie Sie eventuell schon mitbekommen haben, bestätigte Google offiziell auf deren Webmaster Central Blog am 7. August 2014, dass HTTPS nun als Ranking-Signal mit in den Google-Algorithmus einfließt. Was viele erfahrene Suchmaschinenoptimierer wahrscheinlich bereits längst ahnten, tritt also nun in Kraft. Somit fließt die Verwendung von HTTPS als eine weitere Rankingkomponente (von über 200) in ein großes Ganzes der Suchmaschinenoptimierung mit ein.

 

…in den letzten Monaten Tests durchgeführt, bei denen in unseren Rankingalgorithmen berücksichtigt wurde, ob Websites sichere, verschlüsselte Verbindungen verwenden. Da die Ergebnisse sehr positiv waren, haben wir HTTPS als Ranking-Signal hinzugefügt. Bisher ist es nur ein minimales Signal, das weniger als 1 % der weltweiten Suchanfragen betrifft und einen geringeren Stellenwert als andere Signale wie etwa qualitativ hochwertige Inhalte hat, da wir Webmastern ausreichend Zeit geben möchten, um zu HTTPS zu wechseln. Im Laufe der Zeit werden wir es möglicherweise höher bewerten, um Websiteinhaber zum Wechseln von HTTP zu HTTPS anzuregen und dadurch die Sicherheit im Web zu erhöhen.

 

Was steckt aber hinter HTTPS und was bedeutet dies für Sie als Webseiten oder Onlineshop-Betreiber? Genau diese und weitere Fragen soll dieser Artikel beantworten.

Was bedeutet HTTPS?

HTTPS Verbindung Google

Aktive HTTPS-Verschlüsselung bei der Google Suche

HTTPS ist - ähnlich wie HTTP - ein Übertragungsprotokoll, welches jedoch zusätzlich mit Hilfe von Verschlüsselung und Authentifizierung für eine gesicherte Verbindung zwischen Ihrem Browser und dem jeweiligen Webserver der aufgerufenen Webseite fungiert. HyperText Transfer Protocol Secure ist bereits seit 1994 für die Verschlüsselung sensibler Daten im Internet verantwortlich.

 

SSL Zertifikat Google

Detaillierte Informationen zum SSL-Zertifikat von Google

Gerade Bestellprozesse in Onlineshops, Online-Überweisungen und andere Bereiche, bei denen sensible Daten im Internet übertragen werden, setzen deshalb bereits seit Langem auch eine sichere HTTPS-Übertragung ein. Die dabei verwendete Verschlüsselung über TLS/SSL erfordert dabei eine Authentifizierung mittels SSL-Zertifikat.

 

Ob eine sichere HTTPS Verbindung besteht, können Sie übrigens in der Adresszeile Ihres Browsers ablesen. Klickt man zudem auf das angezeigte Schloss, erhält man zusätzliche Informationen über das verwendete SSL-Zertifikat.

 

Wieso führt Google HTTPS als Ranking Signal ein?

In Zeiten, in denen neue Enthüllungsskandale der NSA in den Medien so alltäglich sind, wie der Wetterbericht, möchte Google hier sicher ganz klar ein Zeichen setzen in Richtung Datenschutz und Sicherheit. Zudem ist Google immer wieder selbst von den Ausspähungsskandalen der NSA betroffen. Sei es durch die Ausspähung der NSA von Google G-Mail Konten oder der Rechnerausspähung durch die Benutzung von Google Cookies. Egal welchen Zweck Google damit auch verfolgt, die Ausspähung von Nutzerdaten im Internet wird durch die Verwendung von HTTPS wesentlich erschwert und durch die öffentliche Bekanntgabe der Verwendung als Ranking Signal wird der Prozess der Umstellung sicher rasant beschleunigt.

 

Zusätzlich kommt die rasante Entwicklung des Nutzerverhaltens in Richtung mobiler Endgeräte hinzu, bei der immer mehr neue öffentliche und vor allem ungesicherte WLAN-Access Points "wie Pilze aus dem Boden sprießen". Da ist die Verwendung einer gesicherten HTTPS-Verschlüsselung beim Surfen auf Webseiten doch ebenfalls als ein positiver Nebeneffekt zu betrachten.

 

Was sollte man als Webmaster bei der Umstellung beachten?

Zunächst sollte man bedenken, dass eine solche Umstellung eines bereits bestehenden Onlineshop keine Sache von wenigen Stunden ist. Zumindest nicht, wenn man sich für die gesamte Umstellung eines Shop auf HTTPS entscheidet und nicht wie häufig üblich, nur für die reine Verschlüsselung des Checkout-Prozesses. Der Onlineshop Otto.de ist hier übrigens ein gutes Beispiel für eine solche Komplettumstellung.

Komplettverschlüsslung bei Otto

Komplettverschlüsslung bei Otto.de

 

Umstellung HTTPS

Erkennbare Umstellung auf HTTPS bei Otto.de im November 2013

Sämtliche Links und Bilder in Texten und im Design müssen dann in eine URL beginnend mit https:// geändert werden. Prinzipiell müssen alle eingebundenen Ressourcen nun per HTTPS ausgeliefert werden. Wer hier bisher auf relative URLs gesetzt hat, hat hier natürlich einen enormen Vorteil, da dieser Schritt der manuellen Änderung entfällt. Google empfiehlt hier übrigens ebenfalls in dem bereits erwähnten Artikel die Verwendung relativer URLs in der Form: <a href="/kategorie/artikel.html">. Dies spricht aber eigentlich gegen die in der SEO-Szene eher bevorzugte absolute Adresse der Form: <a href="https://schoene-domain.de/kategorie/artikel.html">.

 

Die absoluten Adressen haben nicht nur den Vorteil, dass bei Content-Diebstahl die Links immer noch auf die eigene Domain zeigen. Außerdem benötigt der Crawler keine zusätzliche Zeit für die Auflösung der relativen URL zur absoluten URL. Diese Auflösung kann das Crawlbudget erheblich beeinflussen.
Widersprüchlicherweise empfiehlt Google in einem älteren Beitrag der Webmaster-Hilfe ebenfalls die Verwendung absoluter Links: https://support.google.com/webmasters/answer/35156?hl=de

 

Verwenden Sie nach Möglichkeit absolute statt relativer Links. Wenn Sie beispielsweise Links zu einer anderen Seite auf Ihrer Website erstellen, sollten Sie einen Link zu www.example.com/meinseite.html statt nur zu meineseite.html erstellen.

 

Man kann davon ausgehen, dass bei der HTTPS-Umstellung die Verwendung von relativen URLs hier also nur als eine schnelle Lösung von Google empfohlen wird, da Google sicher um den enormen Arbeitsaufwand bei einer solchen Umstellung weiß, welcher sicher viele Webseitenbetreiber zunächst erst einmal von einer Umstellung abschrecken würde.

 

Zusätzlich müssen Änderungen in der Google Sitemap vorgenommen werden und alte URLs in der .htaccess per 301-Weiterleitung auf die neuen https URLs weitergeleitet werden.

 

Serverperformance

Eine gute Serverperformance ist die Grundlage für gute Google Rankings © Oleksiy Mark - Fotolia

Ein wichtiger Punkt der auch häufig vergessen wird, ist das die Verschlüsselung einer Webseite zusätzliche Rechenressourcen erfordert. Wird beispielsweise ein kompletter Shop verschlüsselt, sollte in jeden Fall weiteres Budget in eine bessere Serverperformance investiert werden, damit sich dies nicht negativ auf die Ladegeschwindigkeit der Seite auswirkt. Da die Website-Performance ebenfalls ein Rankingfaktor ist, würde sich eine gleichbleibende Servergeschwindigkeit daher eher suboptimal auswirken.

 

Hat man die eigene Webseite erfolgreich auf HTTPS umgestellt, muss diese nur noch in den Google Webmaster Tools mit dem Präfix https:// angemeldet werden. Danach sollte man im alten Account einen negativen Trend von Impressions und Kicks erhalten. Diese sollten dann dafür aber im neuen Account allmählich wieder steigen. Bis Google alle alten HTTP-Adressen aus dem Index entfernt hat und diese gegen die neuen HTTPS-Adressen ausgetauscht hat, kann es jedoch ein wenig dauern. Beachtet man jedoch alle Hinweise bei der Umstellung, treten starke Sichtbarkeitsverluste eher selten auf.

Klick Impressions HTTP

Klicks und Impressions fallen beim HTTP-Account sichtbar nach einigen Tagen

Klicks Impressions HTTPS

Klicks und Impressions steigen beim HTTPS-Account sichtbar nach einigen Tagen

Für welches SSL-Zertifikat sollte man sich entscheiden?

2048 Bit Schlüssel

2048 Bit langer verwendeter Schlüssel für das SSL-Zertifikat von Otto.de

Zunächst gibt es etliche Anbieter die Zertifikate anbieten, welche sich stark ähneln. Grundsätzlich sollte man, um sich die Entscheidung zu erleichtern, bei seinem Hoster kundig machen. In der Regel bietet dieser bereits eine Auswahl an Zertifikaten an. Wichtig ist, dass das Zertifikat einen 2048 Bit langen Zertifikatsschlüssel verwendet. Je länger der Schlüssel ist, desto schwerer ist es natürlich, diesen zu entschlüsseln. Die Länge des Schlüssels kann man ebenfalls in den Details des SSL-Zertifikates einsehen.
Ein SSL-Zertifikat wird in der Regel für 1-2 Jahre ausgestellt und dann entsprechend verlängert. Man sollte sich vor der Anschaffung entscheiden, ob man ein Single-Domain, Multi-Domain oder Wildcard Zertifikat benötigt. In der Regel reicht aber ein SSL-Zertifikat für eine Single-Domain aus. Weitere Unterscheidungskriterien treten in der Identitätsüberprüfung bei der Zertifikatausstellung auf. Hier muss man zwischen Domain-Validierung, Identitäts-Validierung und der erweiterten Validierung unterscheiden.

 

Domain-Validierung: Prüfung ob Domaininhaber gleich Antragssteller ist. Bestätigung meist per E-Mail-Link.

 

SSL IdentitätsprüfungIdentitäts-Validierung: Zusätzlich zur Domain-Validierung erfolgt die ausführliche Überprüfung anhand von Dokumenten.

 

SSL Erweiteres ZertifikatErweiterte Validierung: Dies ist der höchste Standard der Validierung, bei der eine sehr strenge Authentifizierung der Unternehmensidentität stattfindet. In Browsern wird die Adressleiste hier grün hinterlegt.

 

Je nach dem, für welches Zertifikat Sie sich entscheiden, müssen Sie mehr oder weniger tief in die Tasche greifen. Bei großen Hosting-Anbietern fangen dabei die Kosten bei etwa 3,90€ an und können sich auf bis zu 100€ Euro oder mehr im Monat belaufen.

 

Sofortiger Umstieg aufgrund der besseren Google Rankings?

Diese Frage ist sicher mit NEIN zu beantworten. Ein sofortiger Umstieg ohne Vorbereitung bringt aus Suchmaschinensicht wahrscheinlich mehr Schaden als Nutzen und Ihre Google Rankings könnten für mehrere Wochen bis Monate im Nirwana verschwinden. Planen Sie langfristig die Umstellung und nehmen Sie sich eine professionelle Suchmaschinenagentur zur Unterstützung. Entscheiden Sie sich zunächst für ein geeignetes Zertifikat und treffen Sie alle nötigen Maßnahmen für die Umstellung. Wer einmal auf HTTPS umsteigt, sollte übrigens nicht nur den Checkout-Prozess oder das Login verschlüsseln, sondern auch komplett alle Unterseiten inklusive eingebundener Ressourcen. Von Zwischenlösungen, bei denen Seiten sowohl über http:// als auch https:// erreichbar sind, ist komplett abzuraten. Bei neuen Projekten empfiehlt es sich langfristig gesehen, gleich in ein SSL-Zertifikat zu investieren, um späteren Frust bei einer Umstellung zu vermeiden.

 

Was bringt HTTPS aber nun wirklich für das Ranking?

Was eine Umstellung auf HTTPS wirklich für das Google Ranking bringen wird, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden und wird sich zeigen, wenn Google wie angekündigt dieses Ranking-Signal entsprechend höher bewertet, als dies im Moment noch der Fall ist.

Bisher ist es nur ein minimales Signal, das weniger als 1 % der weltweiten Suchanfragen betrifft und einen geringeren Stellenwert als andere Signale wie etwa qualitativ hochwertige Inhalte hat, da wir Webmastern ausreichend Zeit geben möchten, um zu HTTPS zu wechseln. Im Laufe der Zeit werden wir es möglicherweise höher bewerten, um Websiteinhaber zum Wechseln von HTTP zu HTTPS anzuregen und dadurch die Sicherheit im Web zu erhöhen.

 

Trust Symbole

Typische vertrauenserzeugende Logos in Onlineshops - © so47 - Fotolia

Einen Vorteil hat die Verwendung eines SSL-Zertifikates für einen Onlineshop allemal: Es schafft Vertrauen beim Kunden! Denken Sie dabei doch einfach mal an die Situation in der Sie in einem für Sie neuen Onlineshop einkaufen. Oft ist die die erste USP (unique selling proposition) die Sie sehen "Sicher einkaufen durch SSL-Verbindung". Fühlen Sie sich dadurch nicht viel sicherer beim Einkauf in einem für Sie unbekannten Onlineshop? Ein SSL-Zertifikat steigert also nicht nur das Vertrauen gegenüber Ihren Nutzern, sondern kann dadurch auch Ihre Konversionsrate vor allem gegenüber Neukunden beträchtlich erhöhen.

 

Zusätzlich kann die Verwendung von HTTPS sich zumindest indirekt auch auf ein besseres Ranking auswirken. Betrachten wir dazu einfach mal die Snippets zu einer bestimmten Suchanfrage. Die hier bereits angezeigte Verschlüsselung der kompletten Domain kann sich sehr positiv auf die CTR (Click-Through-Rate) Ihres Snippets auswirken und dadurch indirekt das Ranking steigern.

 

HTTPS SERP Anzeige

Die Anzeige einer verwendeten HTTPS Verwendung kann die Klickrate des Suchergebnisses erhöhen und dadurch indirekt das Ranking verbessern.

 

Ich hoffe ich konnte Ihre Fragen und Sorgen mit diesem Artikel beantworten und freue mich natürlich über viele Kommentare!

 

 

Über den Autor: 

Martin Friedrich ist Spezialist für Suchmaschinenoptimierung bei der WEBneo Internetagentur für Online Marketing in Dresden. Er beschäftigt sich bereits seit Jahren mit der Optimierung von Webseiten und Webshops. Zu seinen Referenzen zählen zahlreiche erfolgreiche Webprojekte für kleine und mittelständische Unternehmen und Konzerne.

4 Comments

Jörn

at 8:09 am

Ich habe meinen Webshop auf SSL vor etwa 3 Monaten umgestellt. Google sieht in http und https offenbar unterschiedliche Domains. In den letzten paar Monaten ging es bei der Indexierung bei google stark bergab und der PR wird für https nicht übernommen. Ich würde von der Umstellung eher abraten.

    Patrick Franke

    at 9:25 am

    Hallo Jörn,

    Google sieht tatsächlich http und https als unterschiedliche Domains, wenn keine permanente 301-Weiterleitung, in diesem Fall von http auf https, eingerichtet wurde. Das gleiche trifft aber übrigens auch auf die URL mit und ohne www, genauso wie auf mit und ohne Trailing-Slash am Ende zu. Wenn die Weiterleitung richtig eingerichtet ist, dann bewertet Google die Seiten mit SSL-Verschlüsselung definitiv höher, als ohne. Ein weiterer Grund für für einen Abfall der Sichtbarkeit könnte auch das Google Phantom-Update gewesen sein.

      Jörn

      at 3:22 pm

      Hallo Partick,
      vielen Dank für den Hinweis. Vom Google Phantom- Update habe ich nichts gewusst. Das muss ich mir mal genauer anschauen.

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