Brains on Silicon 2026: Mein Recap von der KI-Konferenz in Dresden

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Martin Ritter Brains on Silicon
WEBneo Blogbeitrag

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Am 14. und 15. September öffnete das ICD in Dresden seine Türen für die Brains on Silicon 2026. Dabei handelt es sich um eine der derzeit größten B2B-Konferenzen für angewandte Künstliche Intelligenz in Deutschland. Über 100 Speaker und mehr als 1.300 Teilnehmer trafen sich unter dem Motto „Closing the implementation gap“, um genau die Frage zu diskutieren, die aktuell viele Unternehmen umtreibt: Wie kommt KI eigentlich in den echten Arbeitsalltag? Verteilt auf vier Bühnen, ergänzt durch Masterclasses und eine Startup-Zone, machten die Speaker schnell eines klar: Es geht längst nicht mehr um die Frage, ob KI kommt, sondern nur noch darum, wie Unternehmen diese sinnvoll nutzen können.

„Gemeinsam kommt KI ins Machen“ lautete entsprechend die Leitidee der Veranstalter von CONFGAMES. Ich war, stellvertretend für unsere KI-Agentur, zwei Tage lang mittendrin und nehme diese 7 besonders spannenden Learnings als meine persönlichen Highlights mit.

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    Keynote von Anthropic: MCP und MHP als Fundament

    Den Auftakt machte am Montag Anthropic mit einer Keynote, die technisch in die Tiefe ging und trotzdem für jeden im Saal greifbar war. Ein wesentliches Thema der Macher von „Claude“ & Co. waren dabei zwei Konzepte: MCP (Model Context Protocol) und das neuere MHP (Model Hardware Protocol) als gemeinsames Fundament dafür, wie KI-Modelle künftig mit Werkzeugen, Daten und letztlich mit Menschen zusammenarbeiten. Besonders beeindruckt war ich von der Botschaft zur Geschwindigkeit, mit der LLMs unsere digitale Welt erobern: Die Entwicklung verläuft zunehmend exponentiell, nicht linear. Und wer die Kurve der letzten zwei Jahre hochrechnet, landet bei Fähigkeiten, die heute noch nach Zukunftsmusik klingen, in Kürze aber bereits wieder Normalität für uns sein werden.

    Trotzdem, und das war für mich der eigentliche Kern der Keynote, stehen wir erst ganz am Anfang, praktisch in den „KI-Kinderschuhen“. Die Technik, so die klare Aussage von Anthropic, ist in den meisten Unternehmen längst vorhanden. Woran es fehlt, sind keine besseren Modelle, sondern die richtige Organisation und saubere Prozesse, um diese Technik überhaupt sinnvoll einzusetzen. Ein Satz, der mir noch lange im Kopf blieb.

    Anthropic
    OpenAI

    Keynote von OpenAI: Vom Prompten zum „Agentischen Arbeiten“

    Auch OpenAI, bekannt durch ChatGPT, setzte in der eigenen Keynote am Dienstag genau an diesem Punkt an. Das große Thema war auch hier „Agentic Driven Work“. Die Reise geht vom klassischen Prompten hin zum agentischen Arbeiten. Die KI wird also nicht länger per Prompt oder Stimme nur gefragt, sondern arbeitet zunehmend selbstständig mit. „Von der Antwort zur Mitarbeit“ brachte es die Referentin Sarah Kemether auf den Punkt, und genau diese Evolution wird für uns als Unternehmen entscheidend.

    Besonders spannend fand ich die Zahlen, die dazu präsentiert wurden: Deutschland hat die höchste ChatGPT-Nutzung in ganz Europa und zählt auch weltweit zu den Top 5. Trotzdem setzen laut OpenAI aktuell nur rund 20 Prozent der deutschen Unternehmen KI täglich im Arbeitsalltag ein. Eine Lücke, die dem Argument von Anthropic, zur fehlenden Implementierung, sehr ähnlich ist. Als neues, wichtiges Thema wurde zudem die Token-Effizienz genannt: Es geht künftig nicht mehr nur darum, KI überhaupt zu nutzen, sondern darum, dass Anwender für ihr Investment in Form von Tokens und Budget auch tatsächlich den bestmöglichen Output herausholen. Also „Mehr Leistung fürs Geld“ anstatt immer nur „Welches LLM ist das schnellste“.

    Agentur Reply: Von der Wissensarbeit zur Entscheidungsarbeit

    Einen Vortrag, den ich auch sehr interessant fand, kam von der Agentur Reply. Die These: Wir bewegen uns von der klassischen Wissensarbeit hin zur Entscheidungsarbeit. Agenten übernehmen zunehmend die Recherche, die Auswertung, das Zusammentragen von Informationen, und die Zukunft gehört diesen KI-Agenten. Entscheidend blieb dabei aber eine Einschränkung, die ich sehr begrüße: Der Mensch bleibt praktisch als „Bereiniger“ und als Entscheider im Loop. Die KI liefert die Grundlage, der Mensch trifft die Entscheidung und korrigiert, wenn nötig. Wie konkret das aussehen kann, zeigte eine Fallstudie von Reply aus dem Gesundheitsbereich zur schnelleren Erkennung von Brustkrebs: Durch den Einsatz speziell trainierter KI konnten die Wartezeit auf eine Mammografie in einer Klinik bereits von 147 auf 49 Tage reduziert werden. Keine abstrakte Zukunftsvision, sondern ein Beispiel, das zeigt, welche Chancen die Implementierung von KI in unseren Alltag bietet.

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    Team23

    Team23 aus Augsburg: KI ist eine Sprunginnovation

    Einen ganz anderen, unternehmerischen Blickwinkel brachte die Agentur Team23 aus Augsburg mit. Ihre zentrale These: KI ist keine kleine, schrittweise Verbesserung, sondern eine echte Sprunginnovation. Wer jetzt einfach KI an die eigene Leistung „klebt“, denkt zu kurz und nicht disruptiv genug. Stattdessen muss man seine Leistung von Grund auf neu denken. Als Bild dafür diente ein Zitat von Picasso: „Jeder Akt der Schöpfung ist im Grunde ein Akt der Zerstörung.“ Gleichzeitig warnte der Vortrag aber davor, dabei die Kernwerte der eigenen Marke aus dem Fokus zu verlieren. Und genau diese Balance zwischen „Zerstörung“ und dem Bewahren ist die eigentliche Kunst einer erfolgreichen KI-Disruption. Die klare Handlungsaufforderung an alle Zuhörer von Team23: „Jetzt in KI investieren, sonst laufen sie Gefahr, in wenigen Jahren selbst disruptiv ersetzt zu werden.“

    elunic: Welche USPs bleiben im Zeitalter der KI?

    Sehr praxisnah wurde es beim Vortrag der elunic AG zur KI-Einführung im Kundenservice. Die Ausgangsfrage: Welche echten Alleinstellungsmerkmale bleiben Unternehmen eigentlich noch, wenn die KI Prozesse und Produkte zunehmend vereinheitlicht? Die Antwort lautete: Kundenservice als Mehrwert und echtes Alleinstellungsmerkmal. Denn, so der Speaker Jonas Schaub, es gibt immer jemanden, der billiger ist. Aber ist dieser Anbieter auch wirklich hilfsbereit? Wie geht er mit Support-Anfragen und deren Problemlösung um? Genau hier setzte sein Vortrag an: KI im Kundendienst wird nicht als Ersatz für persönlichen Service verstanden, sondern als Unterstützung für die Servicemitarbeiter, um effizienter einen echten, menschlichen Service anzubieten. Dabei wird der Mensch nicht ersetzt, sondern KI-Agenten erleichtern ihm die tägliche Arbeit. Ein Ansatz, der mir aus der Praxis mit unserem eigenen Technischen Support sehr bekannt vorkommt.

    Elunic
    Internettyp

    Gavin Karlmeier: Zwischen AI-Slop und Brand Awareness

    Für einen der unterhaltsamsten, aber auch nachdenklichsten Vorträge sorgte Gavin Karlmeier, besser bekannt als „Internettyp“. Sein Thema: die Schattenseite der KI-Content-Flut. Durch sogenannten AI-Slop, also erkennbar KI-generierten, beliebigen Content, gehen die organischen Reichweiten von Social-Media-Postings immer weiter zurück. Tatsächlich werden, seit dem Launch von KI, sogar signifikant weniger Posts bei Meta und TikTok veröffentlicht. Vermutlich, weil wir als Konsumenten einfach die Lust auf diese Plattform verlieren, die uns mit billig produziertem AI Content überfluten.

    Trotzdem muss aber weiterhin Brand Awareness für die eigene Marke aufgebaut werden. Und hier liegt die Challenge für Unternehmen im Social Media! Interessant fand ich den Hinweis, dass Meta und LinkedIn inzwischen aktiv gegen AI-Slop vorgehen: LinkedIn hat eine neue Funktion eingeführt, mit der sich entsprechende Inhalte gezielt melden lassen. Auch Meta entfernt KI-Profile zukünftig konsequent, wenn diese nicht klar als solche gekennzeichnet sind. Die Plattformen selbst haben also auch erkannt, dass hier ein Problem entsteht.

    Der große Marketing-Trend: Authentizität statt AI-Slop

    Zieht man allen Input zum Thema Online-Marketing zusammen, kristallisiert sich für mich über beide Konferenztage ein übergreifender Trend heraus: „Authentizität statt AI-Slop“. Immer mehr Unternehmen setzen bewusst auf originalen Content, um ihren Besuchern einen echten Mehrwert anzubieten. Das kann über den eigenen Blog passieren, per Newsletter und vor allem über echte, physische Events. Ein zweiter, eng damit verbundener Punkt war das Thema GEO (Generative Engine Optimization oder KI-SEO) im Vortrag der OMR: Um in den AI-Overviews von Google und Co. überhaupt noch sichtbar vertreten zu sein, wird gezielte Optimierung für generative Sprachmodelle wie ChatGPT & Co. immer wichtiger. Wer hier nicht mit GEO aktiv wird, riskiert schlicht, in Zukunft gar nicht mehr gefunden zu werden.

    Handwerk + KI = WEBneo
    Geschäftsführer Martin Ritter

    Fazit: Authentizität schlägt Automatisierung

    Wenn ich die zwei Tage in Dresden zusammenfasse, bleibt vor allem ein roter Faden hängen: Die Technik ist da, sie entwickelt sich exponentiell weiter. Trotzdem entscheidet am Ende nicht das KI-Modell, sondern der Mensch. Ob als Entscheider bei Reply, als Markenhüter bei Team23 oder als echtes Gesicht hinter authentischem Content bei Gavin Karlmeier: Überall auf der Brains on Silicon ging es darum, KI klug einzubinden, ohne dabei Haltung, Marke und Menschlichkeit zu verlieren. Ein Ansatz, mit dem wir uns als KI- und Digital-Agentur auch sehr gut identifizieren können.

    Ich verlasse die Konferenz mit jeder Menge neuer Impulse für unsere eigene Arbeit und bedanke mich beim KI Netzwerk Dresden für zwei intensive, extrem lehrreiche Konferenztage. Ich bin schon gespannt, wie sich die Themen bis zum nächsten Jahr weiterentwickelt haben werden, und freue mich natürlich auf 2027!

    Ein weiteres Dankeschön geht unter anderem auch an diese Unterstützer der diesjährigen Konferenz wie datom, queonext, Silicon Saxony, TÜV TRUST IT, Ostec, Imaos, ujamii und Move Elevator.

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