Voice Search: Nur ein Hype oder echtes Potenzial für Ihre Online-Marketing-Strategie?

Heute möchte ich mich gern dem Thema Voice Search (oder auf deutsch: Sprachsuche) etwas ausführlicher widmen. Das Thema wird ja nun seit 2 -3 Jahren auf vielen Konferenzen bzw. in den jährlichen Trend-Prognosen angekündigt und behandelt. Auch ich habe Anfang 2018 auf dem E-Commerce Stammtisch Dresden bzw dem Online Marketing Stammtisch in Bautzen darüber gesprochen.

Wir befinden uns nun langsam auf der Zielgeraden für 2018 und ich stell mir natürlich die Frage, sieht man die Nutzung der Sprachsuche auch in entsprechenden Zahlen/Statistiken oder reden wir hier auch weiterhin von einem möglichen Trend? Wird das Ganze in der Branche vielleicht sogar einfach nur zu sehr gehypt?

Sind wir doch mal ehrlich – ich sehe nur wenige Menschen (ok, eigentlich gar keine), die im Bus oder der Bahn, auf der Straße oder sonst wo unterwegs direkt eine Suche in ihr Smartphone sprechen. Die Route zu meinem nächsten (Reise)-Ziel tippe ich auch noch mit den Fingern in mein Smartphone, falls ich mal eine Wegbeschreibung brauche. Und wenn wir schon dabei sind – ich schüttel regelmäßig den Kopf über Menschen, die Sprachnachrichten in Ihr Smartphone diktieren und dabei ihre Mitmenschen in einer unangenehmen Lautstärke terrorisieren. Wie reagiere ich dann erst, wenn alle um mich herum ständig irgendwelche Suchanfragen stellen?

Und trotz dieser persönlichen Vorbehalte muss ich gestehen, finde ich das Thema natürlich sehr spannend. Denn sollte sich die Sprachsuche wirklich durchsetzen, bringt dies natürlich einige Änderungen in Bezug auf die Websuche und dem Suchverhalten der User im Internet mit sich.

Was verstehen wir eigentlich unter Voice Search?

Voice Search beziehungsweise Sprachsuche, beschreibt die sprachgesteuerte Suchfunktion von Google durch einen Sprachassistenten. Auch andere auf dem Markt verfügbare Software zur Sprachsteuerung, wie zum Beispiel Siri von Apple, Cortana von Microsoft oder Alexa von Amazon eigenen sich für Voice Search und können so Ergebnisse und Informationen aus der Suchmaschine liefern.

„Ok, Google. Wo finde ich den nächsten Griechen?“ oder „Was läuft heute im Kino?“ könnten etwa die potentiellen Fragen eines Nutzers lauten.

Die Nutzer können so relativ leicht Fragen stellen, auf die sie entsprechende Antworten/Ergebnisse bekommen – die teilweise sogar vorgelesen werden.

(Wer mehr erfahren möchte, wie die Kommunikation zwischen einem Menschen und dem Computer über natürlich Sprache funktioniert, kann gerne hier mal schauen.)

Interessant: Laut voicebot.ai werden Sprachassistenten auf smarten Lautsprechern (z.B. Alexa) im Schnitt 2,88 Mal pro Tag eingesetzt, während Voice auf Smartphones nur 0,33 pro Tag eingesetzt wird. (Hier finde ich mich dann auch persönlich wieder. Während ich die Suchfunktion auf dem Smartphone quasi nie nutze, wird Alexa schon regelmäßiger in den heimischen vier Wänden genutzt.)

Wichtig ist hier allerdings, dass wir zwischen echten Suchanfragen und der Sprachsteuerung (Wecker stellen; Timer-Funktion; Steuerung des Smart-TV, etc) unterscheiden.

Wie verbreitet ist Voice Search überhaupt?

Bei einer Studie des BVDW aus dem Jahr 2017 gaben 75% der Befragten an, einen Sprachassistenten schon einmal genutzt zu haben, bzw. dass sie sich vorstellen könnten, einen zu nutzen.

Was mich als Online Marketer jetzt aber wirklich interessiert sind konkrete Zahlen zur Nutzung der Sprachsuche – ABER leider findet man weder zum Google Assistenten, noch zu Siri, Contana oder Alexa echte Zahlen zur Nutzung. Auf seotribunal.com habe ich bei der Recherche zu diesem Beitrag allerdings eine Infografik gefunden, die ein paar Zahlen liefert:

  • 325 Millionen Menschen suchen weltweit bereits via Voice Search
  • 20% der Google Suchanfragen werden bereits über Voice Search getätigt (Statistik von 2016)
  • bis 2020 soll jede 2te Suchanfrage per Sprachbefehl erfolgen

(Abbildung : Digitale Sprachassistenten als intelligente Haushaltshelfer - Quelle)


Während sich die meisten Werte zur Nutzung von Voice Search auf die USA beziehen, dürften sich die Verwendungsweisen der Sprachsuche hierzulande jedoch nicht groß unterscheiden. Es ist aber davon auszugehen, dass Entwicklungen zur umfassenderen Nutzung derselben etwas zeitversetzt in Europa ankommen, da die USA prinzipiell einen kleinen Vorsprung in Sachen Aneignung technologischer Funktionen hat.

Eine Grafik von Stone Temples zeigt, wie sich die Nutzung von Sprachsuche an verschiedenen Orten im letzten Jahr verändert hat. Im Restaurant, im Theater, bei Partys oder im öffentlichen Nahverkehr – überall ist die Nutzung der Sprachsuche prozentual stark gestiegen.

Damit wird das Potenzial der Sprachsuche etwa für lokale Anbieter mehr als deutlich. Gehen wir jetzt noch davon aus, dass sich die Verbreitung der Smart Speaker in den privaten Haushalten genauso stark durchsetzt, wie die Verbreitung von Smartphones, dann wird die Voice Search zu einem umfassenden Faktor für alle Seitenbetreiber – auch im E-Commerce-Bereich (denn Alexa kann im Systemeigenen Shop – Amazon – ja auch schon bestellen/einkaufen und mit einem Amazon Echo Show kann man die Produkte die Alexa vorschlägt sogar sehen).

Voice Search SEO – Wie geht die Optimierung für die Sprachsuche?

Für SEOs und Content Producer erweitern sich durch die Verbreitung der Sprachsuche die Anforderungen, um Inhalte auch dafür zu optimieren. Vor allem lokale Geschäfte, die auch von Laufkundschaft und Verbrauchern in ihrer Umgebung profitieren, werden immer öfter per Voice Search gesucht. Aus diesem Grund ist es höchste Zeit, sich mit dem Thema SEO für die Sprachsuche auseinander zu setzen.

Bevor wir nun zu den Tipps zur Optimierung kommen, sollten wir uns allerdings die Frage stellen, wo die Ergebnisse der Sprachsuche herkommen?

Bei einer Sprachsuche über ein Smartphone entscheidet der jeweilige Sprachassistent, welche Antwort am besten passt und liest diese anschließend vor, oder zeigt die aus der Desktop-Suche bekannten Suchergebnisseiten. Welches Suchergebnis ausgelesen wird und woher diese Informationen stammen, hängt von der Art und Situation der Anfrage ab. Grundsätzlich werden dabei auf folgende Quellen zurückgegriffen:

  • Rich Answers – hierbei handelt es sich um kurze und präzise Antworten, die bei einer entsprechenden Suchanfrage über den regulären SERPs ausgespielt werden
  • Featured Snippets - hierbei handelt es sich um hervorgehobene Suchergebnisse, die eine kurze, zusammengefasste Antwort einer Website beinhalten. Sie können verschiedene Formate haben, wie Texte, Listen, Tabellen oder sogar Videos. Sie werden über den organischen Suchergebnissen (Position null) angezeigt und wurden speziell für Endgeräte entwickelt, die Platz für nur wenige Suchergebnisse. Oder sogar nur eines, wie z. B. die Sprachassistenten. (Anleitung zur Optimierung für die Featured Snippets)
  • Local Listing – besonders bei Suchanfragen mit lokalem Bezug (Wo ist der nächste Grieche?) wird auf dem Display ein entsprechender Maps-Ausschnitt mit den dazugehörigen Listings angezeigt

Sicher ist: Wer schlecht rankt, wird nicht ausgespielt/angezeigt/vorgelesen.

Mit diesen Tipps können Sie Ihre Webseite für die Sprachsuche vorbereiten:

Inhalte für Mobile optimieren => Da die Sprachsuche vor allem unterwegs genutzt wird, ist es unerlässlich, dass Ihre Inhalte für mobile Endgeräte optimiert sind. Achten Sie dabei auf folgende Punkte:

  • Ladezeit optimieren (Ziel sollte es sein, dass Ihre Webseite nicht länger als 3 Sekunden benötigt um alle Inhalte zu laden)
  • Daumenfreundliches Design
  • Inhalte möglichst übersichtlich, verständlich und gut strukturiert aufbauen; besonders die Inhalte „above the fold“ – also die auf den ersten Blick sichtbar sind, sollten entsprechend aufbereitet sein

Inhalte schaffen, die Fragen beantworten => Verschaffen Sie sich einen Überblick, welche Fragen die Zielgruppe sich stellt und beantworten Sie diese gezielt. Der Schreibstil sollte dabei der gesprochenen Sprache angepasst werden (der Text sollte ohne Probleme laut vorlesbar sein können). Achten Sie bei der  SEOContent-Erstellung darauf, die sogenannten W-Fragen in den Text (idealerweise in der h2-Überschrift) zu integrieren – nur so kann der Sprachassistent diese später auch finden. Versuchen Sie mit Ihren Inhalten die Featured Snippets zu erreichen.

Strukturierte Daten => Google versucht, Websites bestmöglich zu verstehen, um herauszufinden, welche Art von gesprochenen Suchanfragen zu diesen Seiten passen. Um der Suchmaschine passende Informationen zu übergeben, ist die Auszeichnung mit Schema.org hilfreich. Das Mark-up wurde von Google, Bing und Yahoo entwickelt und wird im Code der Website hinterlegt. Dadurch können Inhalte gekennzeichnet und von Suchmaschinen leichter erkannt werden. Bei der Optimierung für lokale Suchanfragen können das zum Beispiel wichtige Informationen wie Standort, Öffnungszeiten, Telefonnummer oder Menükarte sein, die entsprechend vollständig und ausgezeichnet hinterlegt sein sollten. (Weiter Infos zu den Strukturierten Daten können hier nachgelesen werden)

Lokale Suchmaschinenoptimierung => 39% der Sprachsuchen entfallen auf die Suche nach Geschäftsinformationen vor Ort. Es zahlt sich also mehr denn je aus, wenn Sie einen intensiveren Blick auf Ihre lokale SEO werfen und diese bei Ihrer Online-Marketing-Strategie berücksichtigen. Im ersten Schritt sollten Sie sicherstellen, dass Sie einen Google MyBusiness Eintrag haben und dieser auf dem aktuellen Stand ist. Auch ein Bing Places for Business Eintrag kann an dieser Stelle nicht schaden. Besonders wichtig ist zudem, dass Sie Ihre lokalen Daten wie Adresse, Telefonnummer und Namen möglichst konsistent im Web verwenden. (Weitere Tipps zum Thema Local SEO finden Sie hier.)

Fazit

Die Nutzung der Sprachsuche über mobile Endgeräte oder Smart Speaker wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Die Suchmaschinen werden weiter dazulernen und die ausgespielten Ergebnisse auf eine Sprachsuche werden in ihrer Qualität immer besser werden. Welche genauen Anwendungsszenarien sich dabei für jeden einzelnen Webseitenbetreiber ergeben werden, wird sich mit der Zeit zeigen. Ein spannendes Szenario wird zum Beispiel sein, wenn man mit dem Google Home Speaker auch einkaufen kann – ähnlich wie es mit Amazons Alexa bereits möglich ist. Mit Google Shopping wäre eine entsprechende Plattform ja bereits vorhanden – die dann auch von allen Shopbetreibern angesteuert werden kann.

Auch wenn wir uns jetzt noch in den Kinderschuhen der Sprachsuche stecken, kann es für jeden Seitenbetreiber ratsam sein, die Potenziale in dem Bereich zu ermitteln und seine Seite entsprechend für die Sprachsuche zu optimieren. Schaffen Sie hochwertigen Content, in dem Sie die Fragen Ihrer Kunden unter Nutzer präzise beantworten, stellen Sie sicher, dass Ihre Webseite für mobile Geräte optimiert ist und vernachlässigen Sie nicht die lokale Suchmaschinenoptimierung.

Wenn Sie diese Punkte beherzigen, sind Sie für die wachsende Popularität der Sprachsuche gut vorbereitet.

Über den Autor: 

Ronny Stöck ist seit September 2017 als Senior Online Marketing Spezialist Teil des WEBneo-Teams. Dabei berät er kleine und mittlere Unternehmen in allen Belangen des Online Marketings. Neben seinen Kundenprojekten beschäftigt sich Ronny auch gerne mit den neuesten Trends und gibt seine Erkenntnisse an seine Kunden weiter.